Valreas – Villard de Lans
Kolumnen von Rolf Gölz

Kategorie: Tagesgeschehen

Kolumne

Jan Ullrich hat attackiert, und er hat dabei richtig gut ausgesehen – ein völlig anderer Gesichtsausdruck als noch in den Pyrenäen. Er wirkte völlig entschlossen. Seine Teamkollegen Guiseppe Guerini und Andreas Klöden hatten Ullrich lanciert, im Anstieg zum einzigen Kategorie 1-Berg des heutigen Tages, dem Col de l’Echarasson. Lance Armstrong hätte diesem Angriff folgen können, tat es aber nicht. Er hat souverän agiert, denn er wusste, das es noch weit zum Ziel war, und dass er Ullrich mit Hilfe seiner Mannschaft ohne Probleme würde einfangen können. In der Tat hat Ullrich nicht mehr als eine Minute Vorsprung rausholen können. Armstrong hat Kraft gespart, Ullrich hat Kraft gelassen, wurde wieder eingeholt, auch dank der Tempoarbeit von Jens Voigt. Der Berliner fuhr zusammen mit US Postal in der Verfolgung, denn Voigts Teamkollege Ivan Basso sah seinen zweiten Platz im Gesamtklassement potentiell gefährdet durch Ullrichs Alleingang. Im Finale fuhr Andreas Klöden, der heute wieder einen ganz starken Eindruck machte, an Ullrichs Seite. Eine bemerkenswerte Situation: Im Schlussanstieg zum Ziel in Villard de Lans war Armstrong isoliert von seinen Teamkollegen. T-Mobile war zu zweit. Der Amerikaner siegte zwar im Sprint vor Ivan Basso, aber diese Situation eröffnet taktische Möglichkeiten: Die Tendenz zum frühen Angriff ist richtig. Wenn die beiden so agieren können, auf der Etappe nach Le Grand Bornand, dem Tag nach dem Bergzeitfahren, dann könnten sie im Gesamtklassement einiges bewegen. Erkenntnis des Tages: die beiden T-Mobile-Fahrer sind sehr stark. Armstrong ist der Chef im Peloton. Basso macht aber einen super starken Eindruck, und könnte Armstrong noch gefährlich werden. Ich schätze mal, diese Vier werden auch den Sieg im Bergzeitfahren von Alpe d’Huez unter sich ausfechten.

Stand: 01. November 2006