Lannemezan – Plateau de Beille
Kolumnen von Rolf Gölz

Kategorie: Tagesgeschehen

Kolumne

Aus deutscher Sicht hat man heute die Erkenntnis gewonnen, dass Jan Ullrich die Tour de France 2004 nicht gewinnt. Mit sieben Minuten Rückstand im Gesamtklassement ist es für ihn vorbei. Er hat sich auf dem Level präsentiert, dass er eben im Augenblick hat. Und das reicht nicht. Wenn er Charakter zeigt, eröffnet er jetzt den Kampf um den dritten Rang auf dem Podium. Wenn Lance Armstrong und Ivan Basso auf dem Niveau weiterfahren, sind die ersten beiden Plätze belegt. Die beiden, die erneut um den Etappensieg gekämpft haben, sind die augenblicklichen Dominatoren der Tour. Ivan Basso ist Lance Armstrong sogar sehr dicht auf der Pelle, möglicherweise kann er den Amerikaner beim Bergzeitfahren distanzieren. Georg Totschnig ist heute Dritter geworden, ein sensationell gutes Ergebnis für den Kapitän des Gerolsteiner-Teams. Seit er bei Hans-Michael Holczer im Team ist, hat er sich von Jahr zu Jahr gesteigert. Trotz seines relativ hohen Alters von 33 Jahren macht er noch immer große Fortschritte. Er hat vor zwei Jahren einige Umstellungen im Training vorgenommen - und trainiert eben auch konsequent. Nur das kann einen nach vorne bringen. Sich auf den letzten Drücker in Tour-Form bringen zu wollen, reicht nicht. Normalerweise sollte Andreas Klöden jetzt der Chef bei T-Mobile sein. Das Team – also in den Bergen Guiseppe Guerini – wird wohl für ihn arbeiten müssen. Ullrich wird sicher nicht für Klöden arbeiten müssen, sondern muss sich als Einzelkämpfer durchschlagen. Aber das ist eine Entscheidung der Teamleitung. Wichtig ist, dass Ullrich weiter kämpft. Auf den zwei Pyrenäen-Etappen wurden die Leute bestraft, die vorher große Töne gespuckt haben. Mit Sprüchen alleine gewinnt man aber keine Tour de France. Iban Mayo, Tyler Hamilton, Roberto Heras – alle sind ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht geworden. Thomas Voeckler, der Mann im Gelben Trikot, hat großartig gekämpft. Wenn er so weiter fahren kann, fährt er in Paris unter die Top Ten. Aus Voeckler kann ein absoluter Top-Fahrer werden. Christophe Moreau, der meiner Meinung nach etwas überschätzt wird, hat heute ein richtig gutes Rennen gefahren. Toll wie er sich nach seinem Radwechsel wieder nach vorne gekämpft hat. Insgesamt muss man sagen, dass die Franzosen 2004 bei der Tour sehr viel besser fahren als noch im vergangenen Jahr.

Stand: 01. November 2006