St. Flour – Figeac
Kolumnen von Rolf Gölz

Kategorie: Tagesgeschehen

Kolumne

Wie zu erwarten war, haben die Ausreißer auf dem sehr hügeligen und unübersichtlichen Gelände ihre Chance genutzt. Die augenblickliche Situation im Gesamtklassement kam ihnen ebenfalls entgegen: Brioches-La Boulangere, das Team des Gelben Trikots von Thomas Voeckler, hatte sicher großes Interesse daran dass eine Gruppe geht, die im Gesamtklassement keine Gefährdung darstellt, und der französischen Mannschaft einen etwas ruhigeren Tag verschafft. Der Beste der drei Ausreißer, David Moncoutié, lag vor der Etappe etwa 18 Minuten hinter Voeckler – eine ideale Voraussetzung für das Unterfangen. Weil die Ausreißergruppe einen gewissen Vorsprung heraus gefahren hat, haben auch die Mannschaften der Sprinter nicht mehr versucht, die Drei an der Spitze einzuholen. Einerseits sind die Teams wohl schon etwas platt, andererseits haben sie sicherlich auch versucht etwas Energie – die berühmten „Körner“ zurückzuhalten, denn auf der nächsten Etappe geht es in die Pyrenäen. Es gibt außer Lotto-Domo für Robbie McEwen keine reinen Sprinter-Teams mehr bei der Tour, alle müssen in den Bergen ihren Männern für das Gesamtklassement beistehen: T-Mobile (Erik Zabel) muss an Jan Ullrich denken, Gerolsteiner (Danilo Hondo) an Georg Totschnig, Quick Step-Davitamon (Tom Boonen) an Richard Virenque und Michael Rogers, Crédit Agricole (Thor Hushovd) an Christophe Moreau. Bevor die Dreier-Spitzengruppe sich jedoch fand, hat es wieder heftige Attacken gegeben. Jens Voigt hat es viermal probiert. Im Finale hat mich ein wenig überrascht, wie kampflos Juan-Antonio Flecha und Egoi Martinez den späteren Etappensieger David Moncoutié haben ziehen lassen, nur Flecha hat einen halbherzigen Angriff versucht. Wenn mir jemand erzählen würde, dass die beiden dafür bezahlt wurden, dass sie Moncoutié ziehen lassen, könnte ich es möglicherweise glauben, denn es hat schon merkwürdig ausgesehen... Andererseits ist es natürlich immer kompliziert, wenn zwei Fahrer sich hinten anschauen, und keiner will mit der Verfolgung anfangen, weil der andere davon profitieren könnte. Im Hauptfeld wurde ein sehr gleichmäßiges Tempo gefahren, deshalb haben die Sprinter relativ „ausgeruht“ einen tollen Sprint um Platz vier hinlegen können. Es hat sich ein weiteres Mal gezeigt, dass die stärksten drei Sprinter Robbie McEwen, Erik Zabel und Thor Hushovd sind. Danilo Hondo hat mich etwas enttäuscht: Er hatte eigentlich das optimale Hinterrad – das von Erik Zabel – und hätte mehr daraus machen können. Es scheint sich heraus zu kristallisieren, dass er bei der Tour nur der viertbeste Sprinter ist.

Stand: 01. November 2006