Limoges – Saint-Flour

 

Kolumnen von Rolf Gölz

Kategorie: Tagesgeschehen

Kolumne

Die 10.Etappe war ein Tag der Superlative. Es war die längste Etappe, und auch die Schwerste. Außerdem haben wir die Beste Einzelleistung gesehen: Hut ab vor Richard Virenque. Auch wenn ich kein großer Freund von ihm bin; seine Leistung auf der ersten richtigen Bergetappe der Tour de France 2004 ist unumstritten.

 

Der Franzose hat von Anfang an im Kopf gehabt am Nationalfeiertag Geschichte zu schreiben. Er hat zu Beginn der Etappe mehrmals attackiert, beim ersten Mal hat es nicht geklappt, aber er hat es so lange versucht, bis es geklappt hat.

 

Anzugreifen ist das eine, das Ding durchzuziehen ist das andere. Er ist 140 Kilometer zusammen mit Axel Merckx gefahren und dann die letzten 60 Kilometer alleine. Virenque hat großartig gekämpft und der Verfolgung durch die Brioches-Mannschaft von Thomas Voeckler sehr gut widerstanden.

 

Man muss sich vorstellen, was passiert wäre, wenn in der Ausreißergruppe fünf oder sechs Mann gefahren wären, mit beispielsweise einem Paolo Bettini und einem Erik Dekker in Hochform – dann hätte Voeckler unter Umständen richtig Probleme bekommen.

 

Brioches – La Boulangere musste den ganzen Tag alleine vorne gefahren, sie haben das auch sehr gut gemacht. Einige sind etwas nervös geworden, als der Vorsprung der Spitze auf die erste Verfolgergruppe auf zehn bis elf Minuten anwuchs. Es war jedoch immer klar das eine ganze Mannschaft, die hinten Tempo macht, zwei bzw. einen Ausreißer würde einholen können. So blieb fürs Gelbe Trikot alles im grünen Bereich.

 

Erik Zabel hat einen riesigen Satz gemacht. Es war insgeheim zu hoffen, dass er auf einer Etappe wie dieser seine Allrounder-Fähigkeiten voll würde ausspielen können. Er hat seine Chance genutzt und sich wertvolle Punkte gesichert. Diese könnten entscheidende „Big Points“ gegen Robbie McEwen werden. Vielleicht klappt es ja noch mindestens zwei Mal, diesen Coup zu wiederholen. Auf der 11.Etappe und ausgangs der Alpen auf dem Abschnitt durch den Jura. Seine Chancen das Grüne Trikot ein siebtes Mal nach Paris zu tragen, steigen auf jeden Fall ganz gewaltig.

 

Zabels Teamkollege Matthias Kessler ist in einer Abfahrt schwer gestürzt. Es sah ziemlich böse aus, weil er mit dem Rücken gegen einen Holzpflock knallte. Er konnte zwar weiterfahren, hat sich aber sicher schwere Prellungen zugezogen oder sogar Verletzungen der Niere. Es ist fraglich, ob er überhaupt weiter fahren kann. Seine Verletzung wird ihn aber definitiv sehr beeinträchtigen in den nächsten Tagen.

 

Auch Sébastien Hinault stürzte. Beide Stürze sind aber nicht auf gefährliche Streckenführung zurückzuführen. So etwas wird es immer in Radrennen geben, das sind – so hart es klingt – alltägliche Situationen.   

 

Die Favoriten für das Gelbe Trikot sind bereit für die Berge. Am Col du Pas de Peyrol haben alle einen sehr guten Eindruck gemacht. Lance Armstrong und auch Jan Ullrich, der sich dort zusammen mit einem sehr souverän fahrenden Andreas Klöden vorne gezeigt. Tyler Hamilton fuhr stark, auch Georg Totschnig hat mir gut gefallen. Keiner hat sich dort eine Blöße gegeben. Der einzige, der ein wenig ins Hintertreffen geriet, war Iban Mayo. Ich vermute, dass er einen technischen Defekt hatte. Aber richtig gut ausgesehen hat er für meinen Geschmack nicht. Es ist aber viel zu früh, um aus dieser Beobachtung etwas ableiten zu wollen. Warten wir die Pyrenäen-Etappen ab.