8.Etappe: Lamballe - Quimper
Kolumnen von Rolf Gölz

Kategorie: Tagesgeschehen

Kolumne

Die achte Etappe quer durch die Bretagne war wie erwartet sehr schwierig, ständig ging es auf und ab. Regen und Wind erschwerten erneut das Rennen. Drei Ausreißer, die sich schon bei Kilometer zwölf gefunden hatten, fuhren beinahe bis zum Ende vorne. Darunter auch Ronny Scholz vom Gerolsteiner-Team, der sich und seine Mannschaft sehr gut präsentierte. Das Problem war, dass auch Jakob Piil Teil der Fluchtgruppe war. Der Däne hatte im Gesamtklassement nur knapp sieben Minuten Rückstand und war deshalb eine potentielle Bedrohung der Gesamtführung von Thomas Voeckler. Dessen Team Brioches-La Boulangere musste deshalb Nachführarbeit leisten. Das mussten sie sogar sehr lange tun, die Sprinter-Mannschaften haben sich lange zurückgehalten, bevor sie im Finale Tempo für ihre Leute gemacht haben. Brioches bekam bei der Verfolgung der drei Ausreißer überraschend Unterstützung vom italienischen Team Domina Vacanze des mittlerweile ausgeschiedenen Mario Cipollini. Man weiß nicht genau warum sie vorne mitgeholfen haben. Es könnte durchaus gewesen sein, dass sie von Brioches einige Euro für diesen Gefallen bekommen haben... Spät im Finale sind die Mannschaften Quick Step-Davitamon und Crédit Agricole an die Spitze gefahren, um Tempo zu machen für ihre Siegkandidaten. Bei Kilometer zehn wurden die Verfolger gestellt, nach beinahe 150 Kilometern an der Spitze des Rennens. Dann entspann sich ein hektisches Finale, vor allem die letzten zwei Kilometer hatten es noch einmal in sich. Ein kleiner Stich mit 40 Höhenmetern kurz vor dem Teufelslappen hat den Sprinter-Teams noch einmal die letzte Kraft aus den Beinen gezogen, die waren alle platt, als es auf den letzten Kilometer ging. Meiner Meinung nach hat Quick Step-Davitamon heute aufs falsche Pferd gesetzt, nämlich auf Tom Boonen. Die Ankunft war wie gemacht für dessen Teamkollegen Paolo Bettini. Der Italiener hat auch noch einmal attackiert, dann aber die Beine hoch genommen, als er sah, dass Robbie McEwen an seinem Hinterrad fuhr. Bei Gerolsteiner hatte Danilo Hondo am Ende wohl dicke Beine. An der Vorarbeit seines Teamkollegen Peter Wrolich hat es auf jeden Fall nicht gelegen, die war ideal. Der junge Luxemburger Kim Kirchen von Fassa Bortolo spürte, dass alle platt sind, und attackierte noch einmal - klasse Aktion. Auf den letzten hundert Metern ist im aber der Saft ausgegangen. Wenn die Beine übersäuern kann man kämpfen wie man will, dann geht nichts mehr. Mit Thor Hushovd hat eindeutig der Stärkste Mann des Tages gewonnen. Ich würde ihn nicht als reinen Sprinter bezeichnen. Hushovd ist eher ein schneller Mann mit Allround-Eigenschaften, der ein langes Stehvermögen. Im Zielsprint war der Norwegische Meister unwiderstehlich, man hätte sich keinen anderen Etappensieger vorstellen können.

Stand: 01. November 2006