7.Etappe: Chateaubriant – St. Brieuc
Kolumnen von Rolf Gölz

Kategorie: Tagesgeschehen

Kolumne

Der Tag wurde bestimmt von einer Zweier-Ausreißergruppe; Thierry Marichal von Lotto-Domo und Erik Dekker von Rabobank fuhren mehr als 120 Kilometer vor dem Feld. Ihr Maximalvorsprung betrug achteinhalb Minuten. Wie erwartet haben sie nicht zusammen das Ziel erreicht, sondern wurden etwa 25 Kilometer vor St. Brieuc eingeholt. Dann haben wir ein klasse Finale gesehen: Die Mannschaften der Sprinter, die eigentlich das Loch zufahren wollten, hatten gegen Ende nicht mehr genug Kraft dazu. Stattdessen haben sich 10 Kilometer vor dem Ziel sechs Mann abgesetzt. Auf einen Schlag haben sich dann natürlich deren Mannschaften hinten im Hauptfeld nicht mehr an der Verfolgung beteiligt. Bemerkenswert fand ich übrigens die Überraschungs-Attacke der CSC-Mannschaft, etwa 50 Kilometer vor dem Ziel. Das dänische Team ist auf „der Windkante gefahren“: Als das Rennen die Küste erreicht hatte und mit Seitenwind zu rechnen war, haben sie aufs Tempo gedrückt, das Feld zersplitterte in mehrere kleine Gruppen. Eine tolle Aktion von CSC, sie haben das auch schon bei Paris-Nizza erfolgreich vorexerziert. Sie haben dadurch versucht, einige der Konkurrenten ihrer eigenen Leute fürs Gesamtklassement – Ivan Basso und Carlos Sastre - zu distanzieren. Hätte die Aktion von CSC funktioniert, dann hätten sie außerdem gute Karten gehabt, einen ihrer Fahrer als Etappensieger zu stellen. Ich bin mir sicher, dass sie im Vorfeld einen Scout an diese Stelle geschickt haben. Der sollte dann herausfinde, wo der Wind günstig steht für diese Unternehmung. Das hat wieder einmal gezeigt, dass es für die Klassements-Fahrer wichtig ist sich vorne im Feld aufzuhalten. Ich erinnere mich, dass wir zu meiner Zeit als aktiver Radprofi oft die kolumbianischen Fahrer wie beispielsweise Luis Herrera auf die Windkante genommen haben, und diese dann regelmäßig zehn Minuten verloren haben. Thomas Voeckler, der Träger des Gelben Trikot, hat mir heute richtig gut gefallen. Obwohl er im Finale isoliert war und ohne Teamkollegen auskommen musste, hat er sich einfach an das Hinterrad von Lance Armstrong gehängt und ist dort wirklich herzerfrischend gefahren. Filippo Pozzato, einer der sechs späten Ausreißer und ein weiteres junges Talent, das bei der Tour de France in Erscheinung tritt, hat im Finale davon profitiert, dass Francisco Mancebo fast den kompletten letzten Kilometer von vorne gefahren ist. Im Sprint hatte er dann keine Probleme, den Spanier zu distanzieren. Es ist interressant zu sehen, dass Fassa Bortolo, seit Alessandro Petacchi nicht mehr dabei ist, die Taktik völlig umgestellt hat: Die ersten fünf Etappen war die Mannschaft vor allem damit beschäftigt, am Ende das Rennen zusammen zu fahren. Jetzt haben sie sich aufs attackieren verlegt. Auf der sechsten Etappe mit Juan-Antonio Flecha, auf der siebten Etappe zuerst mit Fabian Cancellara, dann erfolgreich mit „Pipo“ Pozzato.

Stand: 01. November 2006