5.Etappe: Amiens - Chartres
Kolumnen von Rolf Gölz

Kategorie: Tagesgeschehen

Kolumne

Thomas Voeckler hat in Chartres das Gelbe Trikot übernommen. Der junge Franzose ist gut in Form, das hat er schon durch den dadurch bewiesen, dass er vor kurzem Französischer Meister wurde. Er ist ein tolle Etappe gefahren, vor allem seine zahlreichen Attacken im Finale haben mir sehr imponiert. Man hat wieder einmal anschaulich gesehen, dass die Aussicht auf das Gelbe Trikot einem Rennfahrer Flügel verleiht. Lance Armstrong hatte angekündigt, dass er sein Gelbes Trikot auf der Etappe nicht unbedingt verteidigen würde. Außerdem haben sich die Sprinter-Teams gescheut, beim starken Wind und dem Regen auf der Etappe zuviel Kraft in der Nachführarbeit zu verlieren. Es muss jedem Rennfahrer schon vor dem Start der Etappe klar gewesen sein, dass ziemlich sicher eine Ausreißer-Gruppe gehen würde, erst recht bei den widrigen Witterungsbedingungen. Da gibt es nur eins: Immer auf der Hut sein – immer mitgehen, wenn die Attacken gehen. Das haben die Gerolsteiner meiner Meinung nach verpasst, den sie hätten sicherlich gerne einen Fahrer mitgeschickt. Die Fünfer-Ausreißergruppe, die letztlich zwölf Minuten Vorsprung ins Ziel rettete, ging auch schon sehr früh im Verlauf der Etappe, bei Rennkilometer dreizehn. Es war die dritte Gruppe, die sich gebildet hatte. Es war für alle ein langer und anstrengender Tag bei ganz unangenehmen Wetter. Es hat hinten im Hauptfeld immer mal wieder Seitenwind-Situationen gegeben, da war es wichtig für die Favoriten aufs Gesamtklassement ganz weit vorne zu fahren, und nicht Opfer der „Windkante“ zu werden. Jan Ullrich und Lance Armstrong waren auch den ganzen Tag vorne zu sehen. Für Ullrich ist dieses Wetter alles andere als gut. Er ist ja noch in der Rekonvaleszenz-Phase, heißes Wetter würde seine Besserung wohl eher beschleunigen. Von Lance Armstrong weiß man, dass ihm schlechtes Wetter weniger ausmacht. Voecklers Team Brioches-La Boulangere wird auf den folgenden Etappen das Gelbe Trikot mit allen Mitteln verteidigen wollen. Es ist realistisch, dass sie es schaffen können in Gelb bis mindestens bis zum Nationalfeiertag am 14.Juli zu fahren: Voeckler hat mehr als drei Minuten Vorsprung auf Etappensieger Stuart O’Grady und neuneinhalb Minuten auf Lance Armstrong. Auf der sechsten Etappe nach Angers werden sie wahrscheinlich zwei Drittel der Etappe das Rennen kontrollieren, dann übernehmen die Mannschaften der Sprinter.

Stand: 01. November 2006