4.Etappe: Mannschaftszeitfahren Cambrai - Arras
Kolumnen von Rolf Gölz

Kategorie: Tagesgeschehen

Kolumne

Jan Ullrich hat jetzt 55 Sekunden Rückstand in der Gesamtwertung. Das ist keine hervorragende Ausgangsposition bevor es kommende Woche in die Berge geht. Man darf jetzt aber nicht überreagieren und sagen: „Die Tour ist bereits entschieden.“ Ullrich muss jetzt in den Bergen angreifen, Lance Armstrong kann abwarten, er ist in der besseren taktischen Position. Die 55 Sekunden Rückstand machen mir eigentlich nicht so viel Sorgen. Die könnte Ullrich wieder einfahren, spätestens im letzten Zeitfahren in Besancon. Das hat er schon im vergangenen Jahr bewiesen. Was mich ein wenig mehr beunruhigt als dieser Rückstand ist die Überlegenheit von Lance Armstrong und dem US Postal-Team insgesamt. Armstrong hatte bereits beim Prolog einen kleinen Hinweis auf seine Form gegeben. Er und sein Team sind richtig gut drauf. Bemerkenswert an der US Postal-Mannschaft finde ich, dass sie eigentlich ein Team von starken Bergfahrern sind, die aber auch im flachen Zeitfahren dominieren. Wenn Ullrich genauso stark wäre wie Armstrong, könnte er ohne größere Probleme die Zeit gut machen, und Armstrong auch schlagen. Die Frage ist nur: Ist er genauso stark wie der Amerikaner? Aber wie gesagt: Keine Panik! Ullrich muss jetzt in den kommenden Tagen einfach nur mitfahren, muss aufpassen, dass er nicht stürzt und darf keine weitere Zeit verlieren. Die Überraschung des Tages ist das Phonak-Team. Eine sehr starke Mannschaft. Ihr Team-Leader Tyler Hamilton ist einer, der man beim Duell Armstrong – Ullrich nicht außer Acht lassen sollte. Er könnte ordentlich dazwischenfunken. Das macht das Rennen offener: Armstrong kann es sich nicht erlauben, nur auf Ullrich zu schauen. Eine langen Bergetappe wie beispielsweise der Tag nach dem Bergzeitfahren von Alpe d’Huez könnte für Armstrong sehr schwer zu kontrollieren sein, wenn neben Ullrich auch Hamilton und sein Team attackieren. Ein solcher Tagesabschnitt könnte dann das komplette Gesamtklassement umkrempeln. Die nächsten Tage gehören wieder den Sprintern. Ich schätze, erst auf der Nationalfeiertags-Etappe am 14.Juli werden die Klassementsfahrer wieder ein wenig aufpassen müssen. Auf der ersten Pyrenäen-Etappe nach La Mongie geht es dann richtig los. Dann wir dder nächste Großkampftag im Gesamtklassement eingeläutet.

Stand: 01. November 2006