3.Etappe Waterloo - Wasquehal
Kolumnen von Rolf Gölz

Kategorie: Tagesgeschehen

Kolumne

Erik Zabel hat es allen gezeigt. Sein zweiter Platz in Wasquehal war klasse, vor allem die Art, wie er ihn herausgefahren hat. Entgegen den Prognosen aller Experten - auch ich hatte meine Bedenken - hat er eine hohe Endgeschwindigkeit bewiesen, und fuhr richtig schnell an Robbie McEwen vorbei. Er hatte eine gute Chance auf den Etappensieg, vor allem aber macht sein Sprint Hoffnung für die Etappe am Donnerstag. Es bleibt spannend! Klasse finde ich auch, dass die Sprinter-Etappen sehr spannend sind. Wir hatte bei bislang drei Etappen drei verschiedene Sieger, und haben tolle Sprints gesehen. Jeden Tag gibt es Überraschungen, das macht richtig Spaß. Es ist nicht wie im vergangenen Jahr, als Alessandro Petacchi die Flachetappen dominierte. Das zweite Thema des Tages ist, dass Iban Mayo knapp viereinhalb Minuten verloren hat. Er ist das große Opfer der befürchteten Klassiker-Etappe, die nicht in jedem Jahr gefahren wird. Andererseits muss man es so sehen, wie Erik Zabel im Interview sagte: Alle Rennfahrer müssen die Pyrenäen fahren, also können alle Rennfahrer auch gerne über das Kopfsteinklassiker gejagt werden. Mich hat überrascht, das die zwei kurzen Abschnitte trotzdem Löcher gerissen haben. Die Konstellation war sehr unglücklich für Iban Mayo. An der Spitze haben drei Teams; T-Mobile, US Postal und Phonak Tempo gemacht. Ein tierisches Tempo! Euskaltel, dem Team von Iban Mayo muss man vorwerfen, dass sie lange gebraucht haben, um sich vor Mayo zu spannen. Sie haben nicht schnell genug reagiert, Mayo fuhr nach seinem Sturz relativ lang alleine in der Verfolgung. Eine Mannschaft wie US Postal wäre wesentlich schneller bei Armstrong gewesen. Euskaltel ist deutlich schwächer als US Postal, außerdem sind sie noch nicht so routiniert wie die „Posties“. Trotzdem ist es wirklich schade für Mayo, er war für mich einer, der ganz vorne die Tour hätte beenden können. Beim Mannschaftszeitfahren zwischen Cambrai und Arras werden sie definitiv noch mehr Zeit verlieren - sie haben sich schließlich schon auf dem Weg nach Wasquehal zerreißen müssen. Ich denke jedoch nicht, dass sie die neue Regelung des Mannschaftszeitfahrens ausschöpfen sollten, als Sportlicher Leiter würde ich bei den Jungs vor dem Start die Wut zusätzlich schüren, die sie sicherlich alle selbst verspüren. Noch ist nicht alles verloren für Mayo, 1998 hat Marco Pantani sogar mehr als sechs Minuten Rückstand auf Jan Ullrich, bis zur Etappe nach Les Deux Alpes, und hat trotzdem die Tour gewonnen. Der Baske hat meiner Meinung nach noch alle Chancen auf das Podium in Paris, den Tour-Sieg kann er aber abschreiben. Wenn man es positiv betrachtet, ist die Situation natürlich unheimlich spannend für die Tour. Mayo ist jetzt gezwungen, in den Bergen auf Teufel komm’ raus anzugreifen. Jens Voigt hat wieder bravourös gekämpft, durch die Rennsituation mit den Kopfsteinpflaster-Abschnitten ist er etwas in Hintertreffen geraten, sonst hätte er im letzten Zwischensprint noch einmal wertvolle Sekunden im Gesamtklassement gutmachen können, und hätte jetzt vielleicht das Gelbe Trikot. Sebastian Lang fuhr wieder ganz große Klasse. Der Junge hat sich sehr gut vorbereitet auf die Tour, er ist bei den Klassikern immer ein wertvoller Mann – schon im vergangenen Jahr. Ich habe schon immer gesagt, dass er ein gute Entwicklung nehmen wird – vor allem in den Flachetappen und den Klassikern werden wir noch viel hören von diesem Radprofi.

Stand: 01. November 2006