2.Etappe Charleroi - Namur
Kolumnen von Rolf Gölz

Kategorie: Tagesgeschehen

Kolumne

Sebastian Lang hat eine tolle Leistung abgeliefert. Er ist sehr früh mit einer Sechser-Ausreißergruppe weg gefahren, und erst zwanzig Kilometer vor dem Ziel wieder eingeholt worden. Sebastian fährt für Gerolsteiner seine erste Tour de France und zeigt gleich volle Einsatzbereitschaft. Man sieht, dass er ein wahrer Vollblutrenner ist, er wirft sich rein und versucht etwas, obwohl es eigentlich von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Interessant fand ich, dass Fassa Bortolo von Anfang an wenig gearbeitet hat in der Nachführarbeit. Wahrscheinlich haben sie aus der ersten Etappe ihre Lehren gezogen, als sie im Finale keinen Dampf mehr hatten, um Alessandro Petacchi optimal zum Zielstrich zu lotsen. Auf der Etappe nach Namur haben sie dann erst zehn Kilometer vor dem Ziel die Tempoarbeit übernommen. Trotzdem hat es nicht gefruchtet. Sie werden deutlich merken, dass die Konkurrenz bei Tour sehr viel stärker ist als beim Giro. Ob Petacchi so souverän wie im Giro ist, lässt sich bislang schwer sagen, weil er noch keinen mit letzter Konsequenz gefahren ist. Meiner Meinung nach hat er im Sprint immer dann rausgenommen, wen er merkte, dass es für den Sieg nicht reicht. Er ist mittlerweile auf so einem Level, dass er um Platz drei nicht mehr sprintet. Etappensieger Robbie McEwen hat in Namur alles richtig gemacht. Er hat im entscheidenden Moment – etwa vierhundert Meter vor dem Ziel in einer Kurve - angetreten, da konnte keiner folgen. Dort hat er die entscheidenden Meter gut gemacht, alle anderen Sprinter hatten das Nachsehen. Er war der stärkste Sprinter, denn er hat diesen Vorsprung souverän gehalten, und hatte sogar noch Zeit sich umzudrehen. Thor Hushovd ist nach guter Vorarbeit seiner Mannschaft im Finale auf Petacchis Fassa-Zug aufgesprungen, der Norweger hat den letzten Mann des Italieners als Sprungbrett für seinen Spurt auf den zweiten Platz und ins Gelbe Trikot benutzt. Bereits im Massensprint der ersten Etappe hat er gezeigt, dass er Bärenkräfte hat, er ist wirklich verdient im Gelben Trikot. Fabian Cancellara wird seine zwei Tage in Gelb genossen haben, jetzt kann sich Fassa Bortolo wieder hundertprozentig auf einen Etappensieg für Alessandro Petacchi konzentrieren.

Stand: 01. November 2006